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<title>Vorderlader</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Vorderlader</span></h1>
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<p>Der <b>Vorderlader</b> ist die ursprüngliche Form der sogenannten <a href="Feuerwaffe" title="Feuerwaffe">Feuerwaffe</a>. Ein gezogener oder glatter <a href="Lauf_(Schusswaffe)" title="Lauf (Schusswaffe)">Lauf</a> wird mit <a href="Treibladung" title="Treibladung">Treibladung</a> und <a href="Projektil" title="Projektil">Projektil</a> durch die <a href="M%C3%BCndung_(Waffe)" title="Mündung (Waffe)">Mündung</a> geladen. Das hintere Ende des Laufes ist fest verschlossen und verfügt nur über ein kleines <a href="Z%C3%BCndloch" title="Zündloch">Zündloch</a>, durch das ein mittels <a href="Z%C3%BCndschnur" title="Zündschnur">Lunte</a> (<a href="Luntenschloss" title="Luntenschloss">Luntenschloss</a>), <a href="Feuerstein" title="Feuerstein">Feuerstein</a> (<a href="Steinschloss" title="Steinschloss">Steinschloss</a>), <a href="Radschloss" title="Radschloss">Radschloss</a> oder <a href="Anz%C3%BCndh%C3%BCtchen" title="Anzündhütchen">Zündhütchen</a> (<a href="Perkussionswaffe" title="Perkussionswaffe">Perkussionswaffe</a>) erzeugter Funke oder Feuerstrahl die Treibladung zündet. Vorderladerwaffen werden klassisch mit <a href="Schwarzpulver" title="Schwarzpulver">Schwarzpulver</a> und einem <a href="Geschoss" title="Geschoss">Bleigeschoss</a> geladen. Dazu kommt bei Pistolen oder Gewehren noch ein <a href="Schusspflaster_(Vorderlader)" title="Schusspflaster (Vorderlader)">Schusspflaster</a> zur Abdichtung. Auch <a href="Perkussionsrevolver" title="Perkussionsrevolver">Perkussionsrevolver</a> sind Vorderladerwaffen. Bei diesen werden Pulver und Geschoss jedoch nicht durch die Laufmündung, sondern von vorn direkt in die hinten verschlossene Trommel geladen. Gezündet wird die Ladung mit einem Zündhütchen über ein <a href="Piston_(Perkussionswaffe)" title="Piston (Perkussionswaffe)">Piston</a>. Ein Schusspflaster wird nicht benötigt. Das im Durchmesser überkalibrige Geschoss wird durch einen an der Waffe angebrachten Ladehebel in die glatte Trommelbohrung eingepresst. Das Geschoss erhält erst beim Eintritt in den Lauf einen <a href="Zug_(Waffe)" title="Zug (Waffe)">Drall</a>. <a href="Kanone" title="Kanone">Vorderladerkanonen</a> verwendeten als Geschosse unter anderem Stein- oder <a href="Kugel" title="Kugel">Eisenkugeln</a> sowie Fragmentgeschosse wie <a href="Kart%C3%A4tsche_(Munition)" title="Kartätsche (Munition)">Kartätschen</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklung_der_Vorderladerhandwaffen">Entwicklung der Vorderladerhandwaffen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gezogene_Läufe"><span id="Gezogene_L.C3.A4ufe"></span>Gezogene Läufe</h3></div>
<p>Schon im 15. Jahrhundert wurde erkannt, dass rotierende Geschosse stabiler fliegen als nicht rotierende Geschosse. Deshalb wurden in die Läufe bald <a href="Zug_(Waffe)" title="Zug (Waffe)">Züge</a> eingeschnitten, die schraubenförmig verliefen und dem Geschoss eine Rotation um seine Längsachse (<a href="Drall_(Waffe)" class="mw-redirect" title="Drall (Waffe)">Drall</a>) mitgaben, welche die Flugbahn des Geschosses stabilisierte und dadurch die Genauigkeit sowie die Reichweite der Geschosse bedeutend verbesserte. Das Prinzip des gezogenen <a href="Zug_(Waffe)" title="Zug (Waffe)">Laufs mit Zügen und Feldern</a> wurde im 15. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entwickelt. Namentlich bekannt ist Gaspard Kollner aus <a href="Wien" title="Wien">Wien</a>, der um 1498 daran arbeitete. Der spiralförmig gerillte (das englische Wort <i>rifle</i> stammt ursprünglich von dem deutschen Wort <i>geriffelt</i> ab) Gewehrlauf, so wie er heutzutage Verwendung findet, wird Augustus Kotter aus <a href="N%C3%BCrnberg" title="Nürnberg">Nürnberg</a> 1520 zugeordnet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese neuartigen Gewehre mit Zügen und Feldern wurden <a href="B%C3%BCchse" title="Büchse">Büchsen</a> genannt. Das Wort Büchse wurde anfangs für jedes Gewehr angewandt. Erst im 17. Jahrhundert wurden damit Gewehre mit gezogenem Lauf bezeichnet.
</p><p>Das Laden eines Vorderladers mit gezogenem Lauf ist schwieriger, da das hierfür benötigte passgenaue <a href="Geschoss" title="Geschoss">Geschoss</a> von der Mündung her den ganzen Lauf hinuntergestoßen werden muss. Zunächst wurden daher <a href="Projektil" title="Projektil">Rundkugeln</a> mit gefetteten <a href="Schusspflaster_(Vorderlader)" title="Schusspflaster (Vorderlader)">Schusspflastern</a> verwendet. Die Pflaster fungieren als Dichtung und pressen sich beim Schuss in die Züge des Laufes, wodurch der Drall auf das Geschoss übertragen wird. Da das Laden hierbei jedoch relativ viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, benutzten lange Zeit nur <a href="J%C3%A4ger_(Milit%C3%A4r)" title="Jäger (Militär)">Jäger</a> und <a href="Scharfsch%C3%BCtze" title="Scharfschütze">Scharfschützen</a> gezogene Vorderladerwaffen. Im militärischen Bereich blieb die glattrohrige <a href="Muskete" title="Muskete">Muskete</a> trotz ihrer Ungenauigkeit wegen ihrer wesentlich höheren Schussfrequenz bei allerdings wesentlich geringerer Reichweite erste Wahl. Zugleich wurde aber nach Möglichkeiten gesucht, Waffen mit gezogenen Läufen schneller laden zu können.
</p>

<p><a href="Henri_Gustave_Delvigne" title="Henri Gustave Delvigne">Henri Gustave Delvigne</a>, ein französischer Offizier, war der erste, der ab 1826 versuchte, das Gewehr mit gezogenem Lauf zu einer Waffe zu entwickeln, die für die gesamte Infanterie geeignet war. Er erkannte, dass das Geschoss nach dem Einbringen in den Lauf seine Form ändern musste, und entwickelte eine verkleinerte Pulverkammer, auf der das (runde) Geschoss auflag und mit mehreren kräftigen Stößen so verbreitert wurde, dass es den Zügen folgte. Das verformte Geschoss veränderte zwar auch die Flugbahn auf Kosten der Genauigkeit, zeigte aber erfolgversprechende Eigenschaften.
</p>

<p><a href="Louis_%C3%89tienne_de_Thouvenin" title="Louis Étienne de Thouvenin">Louis Étienne de Thouvenin</a> griff das Prinzip auf. Er hatte die Idee, das unterkalibrige (d.&nbsp;h. minimal kleiner als der Laufdurchmesser) <a href="Langgeschoss" title="Langgeschoss">Langgeschoss</a> auf einem Dorn in der <a href="Schwanzschraube" title="Schwanzschraube">Schwanzschraube</a> des Laufes mit kräftigen Stößen mit dem Ladestock so zu erweitern, dass es sich beim Schuss in die Züge presste. Es wurden keine Kugeln mehr verwendet und das Pulver lag um den Dorn herum. Das System hatte den Vorteil, dass man die Gewehre leicht umrüsten konnte, indem man nur die Schwanzschraube ersetzte. Das System hatte aber auch Nachteile: Es musste sehr viel Kraft aufgewendet werden, um das Geschoss auf dem Dorn zu erweitern, und die Reinigung um den Dorn herum erwies sich als schwierig. Auch war der Dorn fehleranfällig und konnte brechen. Trotzdem funktionierte dieses System beeindruckend gut, so dass die französischen Jäger 1846 damit ausgerüstet wurden.
</p>

<p>1849 wurde mit dem <a href="Mini%C3%A9-Geschoss" title="Minié-Geschoss">Minié-Geschoss</a> das Problem von Hauptmann <a href="Claude-%C3%89tienne_Mini%C3%A9" title="Claude-Étienne Minié">Claude-Étienne Minié</a> elegant gelöst. Das Geschoss war zylindrisch mit einer konischen oder runden Spitze und leicht unterkalibrig, so dass es sich leicht laden ließ. Der Boden des Geschosses wies eine kleine Mulde auf, die eine kleine Eisentasse („Culot“) enthielt; diese sorgte dafür, dass das Geschoss sich beim Schuss etwas verbreiterte und in die Züge griff. Diese kleine Änderung vervielfachte die mögliche Kampfentfernung und hatte einen großen Einfluss auf die Kriegsführung (z.&nbsp;B. im <a href="Krimkrieg" title="Krimkrieg">Krimkrieg</a> 1854 und im <a href="Sezessionskrieg" title="Sezessionskrieg">Amerikanischen Bürgerkrieg</a>), da man die vorhandenen Musketen nur mit Zügen und Feldern ausstatten musste, was vergleichsweise schnell ging. Das <a href="Hinterlader" title="Hinterlader">Hinterlader</a>-<a href="Z%C3%BCndnadelgewehr" class="mw-redirect" title="Zündnadelgewehr">Zündnadelgewehr</a> stand aber schon bereit, die Vorderlader abzulösen.
</p><p>Im Jahre 1852 erfanden der englische Gewehrfabrikant <a href="Wilkinson_Sword" title="Wilkinson Sword">Henry Wilkinson</a> und der österreichische Artillerieoffizier Hauptmann Lorenz gleichzeitig, aber unabhängig voneinander eine weitere Methode, den Durchmesser eines lose passenden Langgeschosses durch die Kraft der Entzündung so zu vergrößern, dass es fest im Lauf saß und den Zügen folgte. Diese Methode bestand darin, durch die Entzündung das Geschoss der Länge nach zusammenzupressen, anstatt es auszudehnen. Das Kompressionsgeschoss hat eine schwere Geschossspitze, ist relativ lang und hat zwei bis drei tiefe Rillen. Der Druck des abbrennenden Pulvers staucht die Länge des Geschosses, was wiederum zu einer Vergrößerung des Durchmessers bis zur Laufwand führt, wodurch das Geschoss die Züge nimmt.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schlösser"><span id="Schl.C3.B6sser"></span>Schlösser</h3></div>

<p>Die ersten Vorderlader waren kleine gegossene <a href="Handrohr" title="Handrohr">Bronze-Faustbüchsen</a>. Auf einen Stock gesteckt, wurde die Waffe unter einen Arm geklemmt, grob gezielt und mit einer brennenden <a href="Z%C3%BCndschnur" title="Zündschnur">Lunte</a>, die in einen gespaltenen Stock geklemmt war, gezündet. Die <a href="Tannenbergb%C3%BCchse" title="Tannenbergbüchse">Tannenbergbüchse</a> von 1399 ist ein gutes Beispiel dafür. Der nächste Schritt in der Entwicklung war die Erfindung einer S-förmigen Eisenstange, die durch die Holzstange des Schaftes führte und an deren Ende die Lunte eingeklemmt war. Diese Konstruktion ermöglichte ein erstes präziseres Zielen. Mit der Zeit wanderte das <a href="Z%C3%BCndloch" title="Zündloch">Zündloch</a> auf die rechte Seite der Waffe und wurde mit einem kurzen Hahn, der die Lunte hielt, und einem Abzugsmechanismus kombiniert: Das <a href="Luntenschloss" title="Luntenschloss">Luntenschloss</a> war geboren und bis Anfang des 17. Jahrhunderts eine gebräuchliche Form. Um nicht ständig eine brennende Lunte zu benötigen, ersann man eine andere Variante der Zündung: das <a href="Radschloss" title="Radschloss">Radschloss</a>. In der Aussparung einer <a href="Pfanne" title="Pfanne">Pfanne</a> lief ein Reiberad, das mit einem von oben aufgedrückten <a href="Pyrit" title="Pyrit">Pyrit</a> das Pulver entzündete. Ein herkömmliches Feuerzeug (ohne <a href="Piezoelektrizit%C3%A4t" title="Piezoelektrizität">Piezozündung</a>) funktioniert ähnlich und verdeutlicht das Prinzip. Radschlossvorderlader wurden primär für die <a href="Kavallerie" title="Kavallerie">Kavallerie</a> eingesetzt, der einfache Soldat behielt auf Grund der hohen Kosten für die vergleichsweise komplizierte Mechanik das Luntenschloss. Im 2. Viertel des 16. Jahrhunderts wurde das <a href="Steinschloss#Schlosstypen" title="Steinschloss">Schnapphahn</a>-Schloss erfunden, eine frühe Variante des <a href="Steinschloss" title="Steinschloss">Steinschlosses</a>. In der Weiterentwicklung zum französischen Steinschloss mit kombinierter <a href="Steinschloss" title="Steinschloss">Batterie</a> und <a href="Pfanne_(Waffentechnik)" title="Pfanne (Waffentechnik)">Pfannendeckel</a> in der Mitte des 17. Jahrhunderts setzte es sich bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts durch.
</p><p>1804 wurde das <a href="Knallquecksilber" title="Knallquecksilber">Knallquecksilber</a> erfunden, welches das <a href="Z%C3%BCndh%C3%BCtchen" class="mw-redirect" title="Zündhütchen">Zündhütchen</a> für das <a href="Perkussionsschloss" title="Perkussionsschloss">Perkussionsschloss</a> ermöglichte. Das Steinschloss wurde durch die zuverlässigere Perkussionszündung ersetzt. Ein Hahn schlug auf das Zündhütchen, das auf einem <a href="Piston_(Perkussionswaffe)" title="Piston (Perkussionswaffe)">Piston</a> saß und die Pulverladung im Lauf entzündete. Die bauliche Ähnlichkeit zum <a href="Steinschloss" title="Steinschloss">Steinschloss</a> führte zu einer schnellen Einführung des Perkussionsschlosses, da die Steinschlosswaffen einfach zu <a href="Aptierung" title="Aptierung">aptieren</a> (umzubauen) waren.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kanonen">Kanonen</h2></div>

<p>Die ersten Vorderladerkanonen waren <a href="Steinb%C3%BCchse" title="Steinbüchse">Steinbüchsen</a> – zweigeteilte Büchsen, die eine <i>Pulverkammer</i> und einen <i>Flug</i> hatten. Erst wurde das <a href="Schwarzpulver" title="Schwarzpulver">Schwarzpulver</a> (damals noch Mehlpulver) geladen und dann verdämmt. Anschließend wurde die bis zu 350&nbsp;kg und mehr wiegende <a href="Steinkugel" title="Steinkugel">Steinkugel</a> eingesetzt. Diese wiederum wurde mit flachen Keilen und Lehm <i>verpisst</i> und <i>verschoppt</i>&nbsp;– die Zwischenräume zwischen der unebenen, grob behauenen Steinkugel und der Wand des Fluges mussten abgedichtet und die Kugel fixiert werden. Feuerbereit war die Waffe erst, nachdem der Lehm getrocknet war.
</p><p>
So kam man auf gut einen Schuss <i>pro Tag</i>. In der Folge ging man immer mehr von den schwereren schmiedeeisernen <a href="Stabringgesch%C3%BCtz" title="Stabringgeschütz">Stabringgeschützen</a> zu <a href="Gie%C3%9Fen_(Metall)" title="Gießen (Metall)">gegossenen</a> leichteren <a href="Bronze" title="Bronze">Bronze</a>-<a href="Gesch%C3%BCtz" title="Geschütz">Geschützen</a> über. Die Festungsgeschütze bestanden meist aus dem billigeren Gusseisen, da sie nicht oft bewegt werden mussten; Feldgeschütze wurden wegen ihres zum Transport geringeren Gewichtes jedoch aus Bronze hergestellt. Die Geschütze entstanden in verschiedenen Größen, und es bildete sich immer mehr die Form heraus, welche die Vorderladerkanonen noch drei Jahrhunderte behalten sollten. Es entstanden die <a href="Kartaune" title="Kartaune">Kartaunen</a>. </p>
<p>Später ging man dazu über, die Geschütze mit fertigen <a href="Kartusche_(Munition)" title="Kartusche (Munition)">Kartuschen</a> zu laden. Dazu wird mit einem <i>Ladestock</i> eine Kartusche in den Lauf gepresst, gefolgt von einem Stopfen, dem Geschoss und einem weiteren Stopfen. Zur Zündvorbereitung wird die Kartusche mit einer Nadel durch das Zündloch am oberen Ende der Kanone durchstochen. Über eine Pulverspur oder eine Lunte wird es gezündet.
</p><p>Mit <a href="Kanone" title="Kanone">Vorderladerkanonen</a> zu schießen, war immer sehr gefährlich. Glimmende Pulverreste im Lauf konnten sich bei dem notwendigen Durchwischen des <a href="Rohr_(Technik)" title="Rohr (Technik)">Rohres</a> nach jedem Schuss entzünden. Schuld daran war der frisch zugeführte Sauerstoff. Das kostete so manchem Kanonier den Arm. Verhindert wurde dies dadurch, dass es Pflicht wurde, nach jedem Schuss zunächst feucht durchzuwischen und erst danach die neue Ladung zu setzen, wobei der Richtschütze mit einem ledernen Daumenschutz das <a href="Z%C3%BCndloch" title="Zündloch">Zündloch</a> zuzuhalten hatte.
</p><p>Mindestens drei, meist sechs (Doppelbesetzung) oder mehr Personen bedienten im Mittelalter eine schwere Kanone. Der Geschützführer war verantwortlich für die Ausrichtung des Geschützes, der Ladekanonier für das Laden. Der Auswischer reinigte sie nach jedem Schuss mit Wasser und Bürste.
</p><p>Auch die gegossenen Kanonen konnten keine langen Serien schießen. Die Rohre erhitzten sich so stark, dass die Ladungen schon beim Einführen abzubrennen drohten; die Anzahl der Schüsse, die in einer Stunde abgegeben werden durften, war begrenzt. Im Laufe der Zeit wurde das Material besser, sodass diese Begrenzungen reduziert werden konnten. Die Rohre selbst erfuhren bis zur Einführung des Hinterladers keine bedeutende Entwicklung, lediglich die Zündarten änderten sich. Es wurde häufiger auch ein <a href="Steinschloss" title="Steinschloss">Steinschloss</a> anstelle der <a href="Z%C3%BCndschnur" title="Zündschnur">Zündschnur</a> und der Lunte eingesetzt. Mit der Erfindung des <a href="Minie" class="mw-redirect" title="Minie">Minié</a>-Geschosses kamen auch gezogene Kanonenläufe mit verbesserter Genauigkeit auf. Die Langgeschosse erhielten kleine Warzen, die beim Laden auch der Führung der Züge folgten. Beim Schuss war die Flugbahn entsprechend stabil und die schweren Geschosse zeigten auch auf Befestigungen eine stärkere Wirkung, als Explosivgeschoss waren sie verheerend. Im Schiffbau führte das zur Entwicklung der Stahlpanzerung der Holzschiffe und dem schnellen Niedergang der Segelkriegsschiffe.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sport">Sport</h2></div>



<p>Vorderlader werden heutzutage in erster Linie sportlich oder in Traditionsvereinen geschossen. Militärisch ist der Vorderlader technisch völlig überholt, da die Ladegeschwindigkeit zu gering ist und ab einer bestimmten Kalibergröße der Ladevorgang nur noch mit einem nicht vertretbaren Aufwand durchgeführt werden kann (zum Beispiel bei Schiffsgeschützen mit einem Kaliber von 400&nbsp;mm). Einige Waffen wie <a href="M%C3%B6rser_(Gesch%C3%BCtz)" title="Mörser (Geschütz)">Mörser</a> und die russischen Anbaugranatwerfer GP-30 sind noch militärisch eingesetzte Vorderlader.
</p><p>An Genauigkeit sind Schwarzpulverwaffen den Patronenwaffen mit Nitrotreibmitteln durchaus ebenbürtig, wenn sie auch, bedingt durch die geringere Leistung des Schwarzpulvers, üblicherweise auf kürzere Distanzen geschossen werden. Allerdings werden auch heute noch in England Vorderlader-Disziplinen mit Entfernungen von 900 Yards geschossen, das sind ca. 820 Meter. Der <a href="Bund_Deutscher_Sportsch%C3%BCtzen" title="Bund Deutscher Sportschützen">BDS</a> schießt in Ulfborg, Dänemark die 400-m- und 600-m-Disziplin mit Vorderladern und Schwarzpulverpatronenmunition.
</p><p>Eine besondere Schwierigkeit beim Schießen der Vorderlader mit Steinschlosszündung ist die Unsicherheit einer ausreichenden Funkenbildung, die durchaus zu Zündverzögerungen bis zu Zündversagen führen kann. Dies hat dann natürlich erhebliche Auswirkung auf die Präzision des Schusses.
</p><p>Gerade diese Eigenheiten machen den Reiz des Vorderladers als Sportwaffe aus. In Deutschland wird diese Form des <a href="Schie%C3%9Fsport" class="mw-redirect" title="Schießsport">Schießsportes</a> und Variante der <a href="Brauchtumspflege" class="mw-redirect" title="Brauchtumspflege">Brauchtumspflege</a> (z.&nbsp;B. auch <a href="B%C3%B6llerschie%C3%9Fen" title="Böllerschießen">Böllerschießen</a>) beispielsweise von der Schwarzpulverinitiative vertreten. Vor allem in den großen Verbänden wie dem <a href="Deutscher_Sch%C3%BCtzenbund" title="Deutscher Schützenbund">DSB</a> und dem Bund Deutscher Sportschützen gibt es Disziplinen für Vorderladerwaffen. Der DSB (Deutscher Schützenbund) ist dem MLAIC (Muzzle Loaders Associations International Committee) angeschlossen und entsendet seine Vorderlader-Nationalmannschaft zu den bereits seit vielen Jahren stattfindenden Europa- und Weltmeisterschaften.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Alfred_Geibig" title="Alfred Geibig">Alfred Geibig</a>: <cite style="font-style:italic">Die Kunst der Konstrukteure. Mehrschüssige Vorderlader und Handfeuerwaffen mit Schnelladesystemen vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Kunstsammlungen der Veste Coburg</cite>. Coburger Landesstiftung, Coburg 1993.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Vorderlader&amp;rft.au=Alfred+Geibig&amp;rft.btitle=Die+Kunst+der+Konstrukteure.+Mehrsch%C3%BCssige+Vorderlader+und+Handfeuerwaffen+mit+Schnelladesystemen+vom+16.+bis+zur+Mitte+des+19.+Jahrhunderts+aus+den+Kunstsammlungen+der+Veste+Coburg&amp;rft.date=1993&amp;rft.genre=book&amp;rft.place=Coburg&amp;rft.pub=Coburger+Landesstiftung" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Friedrich Gustav Rouvroy: <i>Vorlesungen über die Artillerie. Zum Gebrauch der Königl. Sächs. Militär-Akademie. Von Friedrich Gustav Rouvroy, Commandant und Direktor der Militär-Akad. zu Dresden.</i> Dresden 1823.</li>
<li>G. A. Erdmannsdorff: <i>Die kleinen Waffen oder die Waffen der Infanterie und Cavallerie, mit Einschluss der Lehre vom Schießpulver, der Fertigung der neuen Munition und mit besonderer Berücksichtigung der Percussions-Gewehre.</i> Magdeburg 1845.</li>
<li>Friedrich Engels: <cite style="font-style:italic">Die Geschichte des gezogenen Gewehrs</cite>. Geschrieben Ende Oktober 1860 bis Mitte Januar 1861. In: <cite style="font-style:italic">The Volunteer Journal, for Lancashire and Cheshire</cite>. Erschienen als Artikelserie vom 3. November 1860 bis zum 19. Januar 1861 (=&nbsp;<cite style="font-style:italic">Karl Marx/Friedrich Engels – Werke</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>15</span>). 4., unveränderte Auflage. Dietz, Berlin 1972, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>195–226</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.mlwerke.de/me/me15/me15_195.htm">mlwerke.de</a> [abgerufen am 4.&nbsp;Mai 2016] Erstausgabe: 1961).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Vorderlader&amp;rft.atitle=Die+Geschichte+des+gezogenen+Gewehrs&amp;rft.au=Friedrich+Engels&amp;rft.btitle=The+Volunteer+Journal%2C+for+Lancashire+and+Cheshire&amp;rft.date=1972&amp;rft.edition=4.%2C+unver%C3%A4nderte&amp;rft.genre=book&amp;rft.pages=195-226&amp;rft.place=Berlin&amp;rft.pub=Dietz&amp;rft.series=Karl+Marx%2FFriedrich+Engels+-+Werke" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li><i>Schusstafel für die russische 15-cm-Küstenkanone (russische 6zöllige (15,24-cm-)Küstenkanone L/45) mit russischen Schrapnelpatronen mit russ. Doppelzünder mit 30 Std. Brennlänge und russischen Granatpatronen mit russ. Bodenzünder und Ladung aus etwa 11 kg russischem Streifenpulver 4x(240x34x2) + 75 g Schwarzpulver-Beiladung. Nur für den Dienstgebrauch bestimmt.</i> Berlin 1916.</li>
<li>Dewitt W. Bailey: <i>Perkussionsgewehre.</i> Stuttgart 1974, ISBN 3-87943-316-X.</li>
<li>Frederick Wilkinson: <i>Steinschloss-Flinten, -Pistolen und -Gewehre vom 17. bis 19. Jahrhundert.</i> (Flintlock pistols. Flintlock guns and rifles.) dt. Übersetzung, Stuttgart 1981, ISBN 3-87943-745-9.</li>
<li>Thomas Fatscher, Helmut Leiser: <i>Ausarbeitung zum neuen Waffenrecht.</i> Krüger Druck+Verlag, Dillingen/Saar 2003, ISBN 3-00-012000-9.</li>
<li>Jan Boger: <i>Schwarzpulver Digest.</i> Stuttgart 1985, ISBN 3-613-01056-9.</li>
<li>Walter Schulz: <i>Vorderladerschießen. Eine Einführung in die Geschichte der Vorderlader und das sportliche Schießen mit Replikas.</i>, DWJ, Schwäbisch Hall 1998, ISBN 978-3-935210-07-2.</li>
<li>David Th. Schiller: <i>Schwarzpulver. Das große Sonderheft über Vorderlader- und Schwarzpulver-Waffen; Repliken, Originale, Vorderlader, Hinterlader, Tests, Zubehör, Schießsport.</i> (Visier Special 14), Hamburg 1999.</li>
<li>Erhard Wolf: <i>Steinschloss-Jägerbüchsen. Kunstwerke der Büchsenmacher aus dem 18. Jahrhundert.</i> Blaufelden 2006, ISBN 3-936632-49-9.</li>
<li>Jan Durdik, Miroslav Mudra, Miroslav Sada: Alte Handfeuerwaffen. Verlag Werner Dausien, Hanau / M, 2. Auflage 1980. ISBN 3-7684-1737-9.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external free" href="https://www.finedictionary.com/rifle.html">https://www.finedictionary.com/rifle.html</a></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Friedrich Engels: <cite style="font-style:italic">Die Geschichte des gezogenen Gewehrs</cite>. In: <cite style="font-style:italic">The Volunteer Journal, for Lancashire and Cheshire</cite>. Artikelserie vom November 1860 bis Januar 1861 (=&nbsp;<cite style="font-style:italic">Karl Marx/Friedrich Engels – Werke</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>15</span>). 4., unveränderte Auflage. Dietz, Berlin 1972, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>195–226</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.mlwerke.de/me/me15/me15_195.htm">mlwerke.de</a> [abgerufen am 4.&nbsp;Mai 2016]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Vorderlader&amp;rft.atitle=Die+Geschichte+des+gezogenen+Gewehrs&amp;rft.au=Friedrich+Engels&amp;rft.btitle=The+Volunteer+Journal%2C+for+Lancashire+and+Cheshire&amp;rft.date=1972&amp;rft.edition=4.%2C+unver%C3%A4nderte&amp;rft.genre=book&amp;rft.pages=195-226&amp;rft.place=Berlin&amp;rft.pub=Dietz&amp;rft.series=Karl+Marx%2FFriedrich+Engels+-+Werke" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Muzzle-loaders?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Vorderlader</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Vorderlader" class="extiw external" title="wikt:Vorderlader">Wiktionary: Vorderlader</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.schwarzpulverzunft.de/"><i>Schwarzpulverinitiative</i></a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.schwarzpulverimbds.de/"><i>Schwarzpulver-Sportprogramm des Bundes Deutscher Sportschützen</i></a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.ch-munition.ch/papier/index.htm"><i>Papierpatronen für Vorderlader</i></a>, Beschreibung und Bilder</li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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